Wo der Strandurlaub auf Sardinien erfunden wurde

An keinem anderen Fleck ist die Leichtigkeit des Seins am Meer magischer mit der Geschichte Sardiniens verwoben, als in der Gegend von Pula, das sich in der schmalen Tiefebene zwischen macchiagefleckten Bergen im Westen und dem tiefblauen, weitläufigen Golfo degli Angeli im Osten an die mit hellem Sand gezuckerte Küstenlinie schmiegt. Denn hier wurde gewissermaßen der Strandurlaub von Sardinien erfunden. Und zwar vor knapp 3000 Jahren von den Phöniziern. Auf der winzigen Halbinsel Isola del Coltelazzo gründeten sie Nora, die schnell zur wichtigsten phönizischen Siedlung der zweitgrößten Mittelmeerinsel heranwuchs. Die Römer machten Nora im 3. Jhd. v.Chr. für einige Zeit sogar zur Hauptstadt Sardiniens mit dem wichtigsten Hafen, bevor der Kelch an Karalis weiter ging, wie das ebenfalls von den Phöniziern gegründete Cagliari damals hieß.

Dass die Phönizier, die im Gegensatz zu den Sarden begnadete Seefahrer waren, wussten, was schön ist, daran besteht kein Zweifel: Nora ist eingefasst von der Spiaggia di Nora im Norden und der Bucht bei Porto d’Agumu im Süden, deren smaragdgrüne, kristallklare Wasser und seichte Gefälle auch in der gut besuchten Hochsaison selbst auf die Einheimischen eine magnetische Anziehungskraft ausüben und keine zwei Kilometer von Pula entfernt sind. An besonders windstillen Tagen, wenn sich das Meer nicht bewegt, kann man vom Ufer aus sogar einige Ruinenreliefs unter Wasser erkennen. Die Ruinenstadt mit relativ gut erhaltenem Amphitheater und den Resten von Thermen und Tempeln samt märchenhafter Mosaikböden zählt zu den Perlen aus der Zeit der sardischen Antike.

Einen besonderen Reiz entfaltet dieser im Sommer stets gut besuchte Küstenabschnitt im Frühjahr und Herbst, wenn die Tage schon oder noch richtig warm und sonnig sind und man den Strand hundertmeterweise für sich allein genießen kann. Ende September/Anfang Oktober wird das Amphitheater von Nora zur Traumkulisse für das Nora Jazz Festival. Vom 2. bis 4. Mai sind jedes Jahr Nora und Pula pittoresker Schauplatz für Tausende Pilger, die zu Fuß der Prozession der Statue des Sant’Efisio von Cagliari aus folgen, der in Nora im Jahr 303 n. Chr. von den Römern gefoltert und enthauptet wurde. Bereits am 1. Mai gedenken die Cagliaritani bei der Sagra di Sant’Efisio, dem größten Trachtenumzug Sardiniens, dem Heiligen, dem sie die Befreiung von der Pest im 17. Jhd. zuschreiben.

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